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„Mit Weltblick ins Amt – Rückkehrer*innen aus dem Entwicklungsdienst bringen neue Perspektiven in deutsche Behörden“

Bonn. – „Jede Fachkraft kommt verändert und ‚schlauer‘ aus dem Ausland zurück. Sie haben Kompetenzen erworben, die auch bei uns in Kommunalverwaltungen, Städten und Behörden, also im Öffentlichen Dienst, stark nachgefragt sind,“ erklärt Dr. Gabi Waibel, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e.V. (AGdD). Die AGdD, die von Bonn aus die sieben anerkannten Träger des Entwicklungsdienstes in Deutschland vertritt, macht mit einer aktuellen Veröffentlichung auf die Potenziale von Rückkehrer*innen aufmerksam.

Entwicklungsdiensteinsätze finden häufig unter herausfordernden Bedingungen und in kulturell anderen Kontexten statt. „Diese Arbeit erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation und Lernbereitschaft“, so Waibel. Fachkräfte im Ausland müssten zunächst zuhören, beobachten und Vertrauen aufbauen, bevor gemeinsam mit Partnern vor Ort Projektziele umgesetzt werden könnten. „In diesen Einsätzen erwachsen Change-Management-Kompetenzen, die auch hier in der Verwaltung gebraucht werden, gerade auch auf Führungsebene“, betont sie.

Dass dieser Erfahrungsschatz in deutschen Behörden Wirkung zeigt, verdeutlichen drei eindrucksvolle Beispiele:

Michael Konow, ehemaliger Entwicklungshelfer im Niger für die GIZ, ist seit 2020 Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda. Dort hat er ein neues Konzept etabliert und wurde 2022 mit dem „New Work Award“ in der Kategorie „Pioneers in Public Institutions“ ausgezeichnet. Rückblickend betont Konow: „Partizipative Formate, absolute Transparenz und das Hochhalten von Werten wie Nachhaltigkeit und Vielfalt“ hätten seine Arbeit im Ausland geprägt – und sind auch heute zentral für seine Arbeit in der IHK.

Isabel Glaser, die bis 2018 mit AGIAMONDO in Peru tätig war, arbeitet heute bei der Stadt Göppingen in der Stabsstelle Oberbürgermeister und im Team für bürgerschaftliches Engagement. Ihre Erfahrungen im internationalen Freiwilligendienst und beim Aufbau der „Young Caritas“ helfen ihr heute insbesondere durch „Netzwerken und Flexibilität“. Sie war maßgeblich am preisgekrönten Projekt „Wegekompass Göppingen 2035“ (heute „Göppinger Zielsystem 2035“) beteiligt. Ihr Fazit: „Der Öffentliche Dienst sei ein bisher noch unterschätzter Hebel für gesellschaftliche Veränderungen, und wir können mit unserer vielleicht manchmal etwas unkonventionellen Gestaltungskraft dort ansetzen.“

Martin Henrich war bis 2021 für Coworkers in Ecuador im Einsatz. Heute ist er Projektingenieur im Bereich Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium Freiburg. Die Fähigkeit, neuen und komplexen Situationen gelassen zu begegnen, hat er dort entwickelt: „Da ich auch in Ecuador oft unerwartet vor schwierigen Aufgaben oder Herausforderungen stand.“ Zudem betont er, wie wichtig es sei, „Menschen vorbehaltlos zu begegnen“ – eine Haltung, die ihm auch im deutschen Verwaltungskontext zugutekommt.

Dr. Gabi Waibel zieht ein klares Fazit: „Kommunen und Behörden haben im Moment viele Herausforderungen. Die Potenziale von Fachkräften aus dem Entwicklungsdienst, die einen ganz besonderen Erfahrungsschatz im Gepäck haben, sollten wir da stärker berücksichtigen.“ Diese reichten von internationalem Projektmanagement über Konfliktberatung und Organisationsentwicklung bis hin zu Wissensmanagement. In der aktuellen Debatte um Entwicklungszusammenarbeit komme dieser Aspekt oft zu kurz.